Meine Geschichte

Mit 11 Jahren durfte ich endlich Reitstunden nehmen und später kam, wie es meist so ist, die ein oder andere Reitbeteiligung.

Von 2003 bis 2012 bekam ich die Gelegenheit mehrmals die Woche die Pony-AG der Grundschule am Sandsteinweg zu leiten. Dort traf ich auch das Shetlandpony Danny, der mich dann auch 2012 zur stolzen Ponymama machte. Er war nicht der große, schwarze Wallach, den ich eigentlich zum Reiten haben wollte, aber er war das Pferd, das ich für meine Entwicklung brauchte. Dank ihm begann ich mich intensiv mit dem Thema Bodenarbeit auseinander zu setzen. Mit seinem Stockmaß von 105 cm ist nahezu jeder gute Reiter zu groß um ihn unter dem Sattel zu gymnastizieren, also suchte ich nach anderen Wegen und Möglichkeiten. Über die Jahre fand ich diese in der Logenarbeit am Kappzaum, der freien und geführten Bodenarbeit mit Stangen, Sprüngen, instabilen Untergründen und Wippen, der Nutzung von natürlichen Bodenbeschaffenheiten und Hindernissen beim Spaziergang im Gelände und dem Fahren mit einem Sulky. Durch die Zirzensik konnte ich ihn auch endlich mental so beschäftigen wie er es braucht um zufrieden zu sein. Bis heute erweitern wir ständig unser Repertoire.

Nach dem Abitur 2006 absolvierte ich ein Praktikum im Bereich der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd im Reitprojekt IRA (jetzt pro IRA e.V.) des Evangelischen Johannesstiftes in Berlin-Spandau. Am spannendsten fand ich die Hippotherapie, die physiotherapeutische Behandlung des Menschen auf dem Pferd.

Also absolvierte ich von 2007 bis 2009 an der Paracelsus Schule in Berlin eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Menschen, die ich ohne Prüfung abschloss. Der ursprüngliche Plan war dann als Osteopath zu arbeiten und mich in der Schweiz im Bereich der physiotherapeutischen Behandlung auf dem Pferd weiter zu bilden. Dort wäre ich als Heilpraktiker für diesen Bereich zugelassen worden. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass mich die Anatomie und Biomechanik des Körpers fasziniert. Nur der Patient war noch der Falsche… Vielleicht war der Plan deswegen schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Auch während der Ausbildung gab ich in der Grundschule am Sandsteinweg und im Reitprojekt IRA weiterhin Reitunterricht, machte bei der FN meinen Trainer C im Bereich Breitensport. Später folgten noch die Ergänzungsqualifikationen „Ausbilder im Gesundheitssport mit Pferd“ und „Kinderreitunterricht“.

Ab 2014 unterstütze ich pro IRA e.V. in Teilzeit, ermöglichte Menschen den Kontakt zum Pferd, gab Reitunterricht und half bei der Ausbildung und Korrekturarbeit der Therapiepferde. Dort kam dann die Fuchsstute Phoebe zu mir. Ich hatte sie mit ausgebildet, aber im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass sie psychisch für den Job als Therapiepferd nicht geeignet ist. Als ich sie mit meiner Mutter übernahm war sie lahm aufgrund von Verspannungen im Rücken und alles andere als ein Verlasspferd. Nach einem Jahr hatten wir sie mit Hilfe von Physiotherapeuten, Osteopathen und sehr viel Bodenarbeit so fit, dass meine Mutter und ich wieder auf ihr reiten konnten. Und auch mental wurde sie mit den Jahren immer entspannter.

Doch egal wie oder viel wir trainierten, ihre Bewegungen wirkten nie leichtfüßig, sie hatte nie den „Schmelz“.

Die einheitliche Meinung:

„Die läuft halt so…“

„Die ist ja auch ziemlich überbaut…“

„Das ist nicht schlimm, die ist ja nicht lahm…“

„Und ja, im Trab tickt sie manchmal – aber das ist ja nicht immer und dann läuft die sich ja ein…“

Irgendwie sagte mir mein Bauch aber, dass das nicht ok ist. Und ich begann zu lesen. Die 2020 folgende Diagnose “ Leichtes Hufrollensyndrom“ an beiden Vorderbeinen war dann irgendwie keine große Überraschung und da es ja auch nur leicht war, sollte sie Eisen und ein bisschen Ruhe bekommen. Dann wieder antrainieren und in einem viertel Jahr könnte ich auch anfangen mit ihr für das RA 4 mit Springen zu trainieren. Die Pläne für das RA4 habe ich dann zu den Akten gelegt und lieber weiter nach Lösungen für unser Problem gesucht.

So wie Danny mein Übungspartner und Lehrmeister besonders dafür war wie man Pferden grundlegend verschiedenste Sachen beibringen kann ohne dabei auf ihnen zu sitzen, wurde Phoebe meine Lehrmeisterin bezüglich der Biomechanik des Pferdes. Und auch die anderen Schulpferde brachten mich dazu nach Lösungen zu suchen wie ich sie unterstützen kann, wenn der Reiter auf ihrem Rücken aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage ist gefühlvoll nach Lehrbuch zu reiten.

2021 bekam ich dann die Gelegenheit wirklich in diese Richtung zu gehen. Es startete mit einem Lehrgang zum Funktionellen Bodentrainer an der Fachschule für osteopathische Pferdetherapie nach Welter-Böller, im Anschluss die Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIOP) und schon parallel dazu die Aufschulung zum Osteotherapeuten für Pferde an der Fachschule für osteopathische Pferdetherapie nach Welter-Böller.

Durch mein Wissen aus diesen Ausbildungen konnte Phoebe im wahrsten Sinne des Wortes wachsen. Ihre Rückenlinie wurde besser und irgendwie wirkte sie wie von Zauberhand nicht mehr überbaut. Sollten die Vorderbeine wirklich länger geworden sein?! Natürlich nicht. Leider kann ich das ganze nicht an Zahlen festmachen. Ich hatte 2021 ihr Stockmaß gemessen um zu sehen ob man am Ende eine Veränderung auch in Zahlen hat. Nach meiner Prüfung Ende März 2023 wollte ich wieder anfangen sie zu reiten. Sinnvoll. Mit Plan und Zeit. Und dann, wenn ich weiterhin ein gutes Gefühl habe nach 8 Wochen wieder messen, vergleichen ob der optische Eindruck stimmt. Doch ihr Plan war scheinbar ein anderer und die Zeit bekamen wir nicht mehr. Anfang April eine Kolik, zwei Mal operiert, Hufrehe und nach 5 Tagen den Kampf verloren.

Was für immer bleibt ist die unendliche Dankbarkeit, dass sie mich auf meinen Weg geführt hat und mir gezeigt hat wie ich wirklich arbeiten möchte. Ich hätte sehr gerne noch viel mehr von und mit ihr gelernt.

Aber nun bin ich gespannt auf die ganzen Pferde mit denen ich arbeiten werde und vor allem was ich von ihnen lernen darf. Ich freue mich schon auf dich und dein Pferd.

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